Stellungnahme der Vermittler_inneninitiative an der Gedenkstätte Mauthausen-Gusen zum Gesetzesentwurf zur angeblichen ‘Auslagerung’ der Gedenkstätte

*english version below*

Als Zusammenschluss des Großteils der Vermittler_innen an der Gedenkstätte haben wir uns schon mehrmals zur Zukunft der Gedenkstätte zu Wort gemeldet. Hierbei haben wir uns immer wieder dafür stark gemacht, die Diskussion über die geplante ‘Auslagerung’ anstatt auf ministerieller Beamt_innenebene lieber in einer breiten Öffentlichkeit unter Einbeziehung aller Beteiligten zu diskutieren. Dies hat leider nicht stattgefunden. Wir befürworten die Auslagerung der Gedenkstätte aus dem Innenministerium, der vorliegende Gesetzesentwurf wird jedoch nicht einmal den Ansprüchen gerecht, die er an sich selbst stellt.

Wo bleibt die Auslagerung?
Auch wenn es immer wieder als solche benannt wird, der Gesetzesvorschlag hat keine Auslagerung zum Ziel. Die Gedenkstätte bleibt in der Bevormundung, die Geschäftsführung sogar in der Abhängigkeit des Innenministeriums. Gleichzeitig wird die Gedenkstätte einer parlamentarischen Kontrolle entzogen. Als Vermittler_innen halten wir es für notwendig, die Gedenkstätte nicht nur formal, sondern auch politisch aus den Strukturen des Ministeriums auszulagern und in eine Autonomie zu entlassen, die bei vergleichbaren Institutionen obligatorisch ist.

Wo bleibt die Zivilgesellschaft?
Das im Gesetzesentwurf beschriebene entscheidungsbefugte Kuratorium wird in erster Linie durch Ministerien besetzt und nicht durch Vertreter_innen einer transdisziplinären Fach- und Zivilgesellschaft. Dieses Aufsichtsratsgremium ist somit nicht unabhängig, schon gar nicht von Parteipolitk. Der wissenschaftliche Beirat wird von der Geschäftsführung bestellt und läuft Gefahr, als beauftragtes Gremium der Geschäftsführung zu fungieren. Der gesellschaftliche Beirat ist, wie der wissenschaftliche Beirat, ohne Kompetenzen ausgestattet und hat nur beratende Funktion. Er wird darüber hinaus durch Verbände und Sozialpartner_innen dominiert und bietet nur eine Illusion einer zivilgesellschaftlichen Einbindung.

Wo bleibt die internationale Dimension?
Als Vermittler_innen begreifen wir die Gedenkstätte als einen international geprägten Ort, sowohl in ihrer historischen Dimension, als auch in ihrer Funktion als Ort der historisch-politischen Bildungsarbeit. Diese Internationalität wird im vorliegenden Gesetzesentwurf nicht berücksichtigt bzw. wird auf das Comité International de Mauthausen reduziert. Es bedarf einer verstärkten Einbindung internationaler Akteur_innen im Besonderen auch in der Organisationsstruktur anstatt einer selbst­ge­nüg­samen österreichischen Lösung.

Vermittler_inneninitiative an der Gedenkstätte Mauthausen-Gusen
April 2016

Statement by the Guide Initiative (Initiative of Educators at the Mauthausen/Gusen Memorial) concerning the draft law on the supposed transfer of the memorial

Being an association of the majority of the memorial’s guides we have on several occasions made public commentaries about its future. In these instances we have always called for including the wider public and the people involved in these discussions as opposed to limiting these debates to the realm of ministries and their officials. Sadly, this has not been happening. We do support the transfer from the Ministry of Interior – However, this draft law does not live up to its own ambitions at all.

Whatever happened to the transfer?
Although its naming does indeed imply a transfer, this draft law does not intend it. The memorial will be kept under control and its managament will even stay dependent on the ministry, while the parliament will lose its voice. We, the guides, regard it to be a matter of utmost importance that the memorial became independant politically and not just formally – For it should obtain a kind of autonomy that has been crucial in the development of similar institutions.

Whatever happened to the civil society?
This draft law details a decision-making board that is appointed by ministries rather than representatives of a trans-disciplinary civil and researcher’s community. This supervisory board can hence not be regarded as independant – especially not from party politics. The same problem applies to the scientific advisory board: It will be appointed by the management and can thus run the risk of being intermingled with party politics. The societal board is not equipped with any authority but has an advisory role only. It is only an illusion of an inclusion of the civil society, as the board will be dominated by unions and social partners.

Whatever happened to the international dimension?
We regard the memorial to be an international place. This applies to its historical dimension on the one hand and to its function as a place of historic-political educational encounters on the other. The new draft law hardly even considers this degree of internationality and reduces it to the mentioning of the Comité International de Mauthausen. A greater involvement of international actors and players is necessary. We need those international players to be a part of the memorial’s organisational structure instead of this so very Austrian, self-sufficient solution.

Guide Initiative (Initiative of Educators at the Mauthausen/Gusen Memorial)
April 2016