Archiv für den Monat: Januar 2019

Stellungnahme zu Absperrungsmaßnahmen an der Gedenkstätte

Die Vermittler_innen-Initiative unterstützt den offenen Brief des Betriebsrats vom 14.9.2018.

Betreff: Betriebsrat MemorialMauthausen: Stellungnahme zu Absperrmaßnahmen an der Gedenkstätte Mauthausen und Kommunikationsversäumnissen

Liebe Mitglieder der Geschäftsführung,

seitens vieler Kolleg_innen wurde wiederholt berichtet, dass die derzeitigen Absperrmaßnahmen nicht nur für Verwirrung der Besucher_innen sorgen, sondern auch Bereiche erschwert oder gar nicht zugänglich sind.
Die Gitter und Ketten tragen nicht zur Sicherheit bei, sondern verengen passierbare Gehwege, gerade im Bereich des Denkmalparks, enorm.

Dazu kommt, dass Vermittler_innen den gern genutzten Raum rund um das ehemalige Kommandanturgebäude durch den Bau des Liftturms nicht mehr nützen können.
Die ehemalige Kommandantur sowie das Areal rund um den Garagenhof sind die letzten sichtbaren baulichen Überreste des SS-Bereichs. Für die pädagogische Arbeit ist der Zugang zu diesen Orten enorm wichtig, möchte man die Täter_innenperspektive vertiefen bzw. das Schleifen der SS-Gebäude zugunsten der Errichtung der nationalen Denkmäler thematisieren.

Welche große Bedeutung auch die Begehung der ehemaligen Todesstiege hat, wurde ebenso mehrfach diskutiert und sowohl intern als auch extern kommuniziert.

Die aktuelle Haltung der Geschäftsführung in dieser Angelegenheit ist eine eindeutige Positionierung gegen den Auftrag der Gedenkstätte, gegen das Interesse der Besucher_innen, das Areal selbstständig zu erkunden bzw. gegen das Interesse der Vermittler_innen, begleitete Rundgänge nach dem pädagogischen Konzept durchzuführen.

Es geht daher nur vordergründig um die Sicherheit der Besucher_innen beim Aufenthalt am Gelände, viel eher geht es um die ungeklärte Haftungsfrage, und zumindest intern fordern wir eine transparente Kommunikation in dieser Angelegenheit. Aus Rückmeldungen vieler Kolleg_innen haben wir erfahren, dass die Kommunikation diesbezüglich, z.B. der Jour Fixe mit Jochen Wollner am 21.Juni 2018, eher zur Verunsicherung denn zur Klärung offener Fragen beigetragen hat.

Wir halten das für einen Ausdruck allgemeiner Kommunikationsprobleme innerhalb unserer Gedenkstätte, wie sie sich u.E. auch im Fall des Liftturms gezeigt haben. Bei allem Verständnis für die zeitliche Dringlichkeit mancher Maßnahmen wie dem Umzug der Wiener Außenstelle kann es nicht sein, dass Mitarbeiter_innen der Gedenkstätte erst aus den Medien von derart einschneidenden Maßnahmen erfahren, aber verpflichtet werden sollen, diese Maßnahmen nach außen hin mitzutragen.

Es steht außer Frage, dass für Personen ein sicherer Besuch gewährleistet werden muss. Mit Nachdruck möchten wir allerdings fordern, dass in dieser Angelegenheit rasch eine Lösung gefunden wird, sowohl die Öffnung der ehemaligen Todesstiege betreffend als auch den Abbau der Sperren, die die Durchführung eines Rundgangs nach dem pädagogischen Konzept beeinträchtigen.

Mit der Aufforderung, generell die interne Kommunikation geplanter Maßnahmen zu verbessern und in Bezug auf die aktuellen Absperrmaßnahmen Informationen ehest möglich an den Betriebsrat zu kommunizieren, verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen!

Der Betriebsrat