Solidarität und Menschenrechte – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie!

Sozialer Zusammenhalt darf niemanden ausschließen, besonders nicht die geflüchteten Menschen an der EU-Außengrenze, sonst droht er nationalistisch und eurozentrisch zu werden.

Wir Vermittler*innen verstehen unsere Arbeit an der Gedenkstätte Mauthausen und Gusen als eine historisch-politische Bildungsarbeit mit Gegenwartsbezug für universale Menschenrechte und gegen kollektive Abwertung und Ausgrenzung von Menschen. In der alltäglichen Begleitung vieler Schulklassen versuchen wir unter dem Motto „Was hat das mit mir zu tun?“, am Ort eines ehemaligen Konzentrationslagers historisches Wissen und Orientierung für heute zu vermitteln.

Aufgrund der Corona-Pandemie ist unsere Vermittlungsarbeit im Moment bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus sind für viele Menschen lebenswichtig und daher unbedingt einzuhalten. Wir erachten es aber als notwendig, die historisch-politische Auseinandersetzung in diesem Moment nicht vollkommen auszusetzen. Es müssen andere Wege gefunden werden, auf Zusammenhänge hinzuweisen und eine politische Auseinandersetzung damit zu ermöglichen.

Die Menschenrechtsverletzungen an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei geraten zunehmend aus dem Fokus, obwohl sich die Situation für die Menschen dort noch verschärft. Insbesondere in Verbindung mit der Ausbreitung des Virus sind die Zustände alarmierend. Wir fordern deswegen gerade jetzt solidarische Maßnahmen zur Unterstützung und zur Umverteilung der geflüchteten Menschen in der ganzen EU.

Zur Erinnerung: 1938 haben sich die teilnehmenden Staaten der Konferenz von Évian geweigert, Menschen aufzunehmen, die aus Österreich und Deutschland vor dem NS-Terror flüchteten(1). Viele als Juden definierte Menschen, die deswegen nicht ausreisen durften, wurden daraufhin in der Shoa ermordet. Zehn Jahre später wurde die allgemeine Erklärung der Menschenrechte verabschiedet. Im Artikel 14 der Menschenrechte steht: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

Wir fordern eine Regierungspolitik, die sich an das hält wovon sie auszugehen hat: von der Verfassung unseres demokratischen Rechtsstaates und von den universalen Menschenrechten.

Wir fordern, dass allen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird: sowohl den Menschen, die hier aufgrund ihrer prekären Arbeitsverhältnisse um ihre Existenz bangen müssen, als auch den Menschen, die aktuell auf der Flucht sind!

Wir unterstützen die Forderungen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International „Stoppt das Leid an der Grenze!“(2). Außerdem schließen wir uns als Vermittler*innen Initiative dem offenen Brief „Freiheit für unsere Menschlichkeit“(3) an. Schluss mit der Abschottungspolitik! Wirkliche Solidarität muss Praxis werden.

Wir freuen uns, wenn sich andere Museumsbetriebe und Kultureinrichtungen, Vermittler*innen und engagierte Menschen unseren Forderungen anschließen, oder die unten aufgelisteten Initiativen unterstützen.

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