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Hitlergruß am Gelände der KZ-Gedenkstätte Mauthausen am 14. Mai 2014

Wir möchten festhalten, dass viele aus dem Vermittlungsteam den Umgang mit dem Vorfall bedauern. Basierend auf der Einschätzung der Lehrerin des betreffenden Schülers und der Vermittlerin, die den Jungen schon vor dem Rundgang kennenlernte, bezweifeln wir, dass diese Handlung ideologischer Überzeugung entsprang und dass es sich um einen Vorfall mit rechtsextremem Hintergrund handelte. Wir wollen die Handlung des Schülers nicht entschuldigen, verstehen sie in diesem Fall aber als Überforderung und Provokation, die mit der neonazistischen Schmiererei nicht in Verbindung steht.

Während unserer Rundgänge kann es immer wieder vorkommen, dass Besucher_innen problematisches oder respektloses Verhalten an den Tag legen. Wir sehen die Ursachen dieses Verhaltens in Überforderung oder mangelndem Bewusstsein über die geschichtliche und gesellschaftliche Bedeutung der Gedenkstätte, möglicherweise auch in Desinteresse und fehlender Empathie. Auch ideologische Orientierungen von Besucher_innen können dabei eine Rolle spielen. In der Regel wird solches Verhalten in der Rundgangsgruppe thematisiert. Wir versuchen damit, zur Bewusstseinsbildung der jungen Menschen beizutragen. Wir stellen in Frage, ob Festnahme eines Jugendlichen durch die Polizei während eines Rundgangs eine geeignete Maßnahme sein kann und wie ein Modell für einen nicht repressiven Umgang mit solchen Extremsituationen ausssehen bzw. ausverhandelt werden kann.

http://kurier.at/chronik/oberoesterreich/14-jaehriger-hob-mehrmals-hand-zu-hitlergruss/65.663.000

Rechtsextreme Parolen an der Mauer des ehemaligen KZ Mauthausen

Wir nehmen die Schmierereien an der Mauer des ehemaligen Konzentrationslagers und am Mauthausener Friedhof sehr ernst und sind erschüttert von dem Ausdruck rassistischer Aggression. Eine rechtsextreme Schmieraktion an einer Gedenkstätte ist ein Problem, das alle Menschen in Österreich betrifft und öffentlich als solches erkannt und verhandelt werden muss. Eine Stellungnahme des Bundesministeriums für Inneres zu den Schmierereien erschien erst mit mehreren Tagen Verspätung und in Reaktion auf öffentlichen und medialen Druck. Einen Tag später wurde am Mauthausener Friedhof auf einem Grabstein ein Hakenkreuz entdeckt. Es ist das Grab eines 1976 verstorbenen Kindes mit türkischem Namen.

Wieder einmal ist versucht worden das Problem unter den Teppich zu kehren, oder in diesem Fall konkret einfach zu verhüllen. Für die Innenministerin hat die Ausforschung der Täter_innen Priorität, für uns ist ein gesellschaftliches Klima und eine Politik vorrangig, die Neonazis nicht auch noch den Boden bereitet. Rassismus ist kein Phänomen, dass sich auf die extreme Rechte reduzieren lässt. Wir werden die KZ-Gedenkstätte Mauthausen weiterhin gemeinsam mit den Besucher_innen zum Nachdenken nutzen – auch über unseren eigenen und den offiziellen Umgang mit heutigem Rassimus und Rechtsextremismus.

Kepler Salon Extra: Der AllTag danach – Österreich am 6. Mai

„Die Causa Waldheim läutete in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre eine neue Ära in der offiziellen Geschichtsschreibung Österreichs ein, so heißt es. Aber erst zehn Jahre danach wurde der 5. Mai zum österreichischen Gedenktag und die Historikerkommission ins Leben gerufen. Erste nennenswerte Auswirkungen auf die erinnerungspolitische Arbeit waren um die Jahrtausendwende zu verzeichnen, als die internationale Aufmerksamkeit erneut hoch war. Im Jahr 2007 wurden erstmals konkrete Schritte zu einer Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen gesetzt.

Wie sieht heute die Bilanz aus, ein Vierteljahrhundert nach der „Waldheim-Affäre“? Wie ist es um das Verhältnis  zwischen den politischen Bekenntnissen und den gesellschaftlichen Narrativen zur NS-Zeit bestellt? Zu welcher Verantwortung bekennt sich die Republik, wie viel davon nimmt sie tatsächlich wahr? Was tut sich in der Gedenklandschaft, wenn die Scheinwerfer nach den einschlägigen Tagen wieder weg schwenken? Und wie sieht Österreich dabei im internationalen Vergleich aus?

Am Podium diskutieren dazu:

  • Albert Lichtblau, a.o. Univ. Professor am Fachbereich für Geschichte und stv. Leiter des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg
  • Ines Brachmann, VermittlerInnen-Initiative an der Gedenkstätte Mauthausen-Gusen
  • Ulrich Fuchs, stv. Intendant der europäischen Kulturhauptstädte Linz09 und Marseille – Provence 2013
  • Yariv Lapid, Leiter des Center for Humanistic Education in Lochamei Haghetaot

Gastgeberin: Birgit Kirchmayr, Assist.-Prof.in. am Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte an der Johannes Kepler Universität Linz“ Text zitiert aus: www.kepler-salon.at

Kepler Salon Extra auf Facebook

Wann: 6. Mai 2014, 19:30

Wo: Kepler Salon, Rathausgasse 5, 4020 Linz (Google Maps Link)